Die Bilder Wolf-Dieter Pfennigs sind eine Wunderwelt. Beim Betrachten geht man auf eine phantastische Reise zu sich selbst. Und wer ist man überhaupt?
In Pfennigs Bildern lerne ich mich Kennen, in Posen, in Momentaufnahmen, in Träumen und Albträumen. Ich finde mich wieder, in dem riesigen Fisch, in den zwei Frauen, die mit Schallplatten jonglieren, wie ich es nie getan habe, in der blauen Frau mit goldenem Füllhorn. Aber am meisten bin ich doch das Kind oder ist es ein kleiner Mann, der links in der Ecke sitzt, mit einer Melone auf dem Kopf und den geträumten Gestalten zusieht, als wären die wach. Ich glaube, der Traum oder Albtraum ist die hervorstechendste Wirklichkeit in Pfennigs Bildern. Ich spüre nie eine Surrealität, die als Manier, wie etwas Handwerkliches verwendet wird. Für Pfennig ist es Tatsache, dass eine Frau, durch das weite Meer an Männerbekanntschaften, durch eine nackte Frau gepaddelt wird. Wobei es auch ein Kanu sein kann, was auf Pfennigs große Affinität zum Indianerleben schließen liesse. Noch ein weiteres fällt mir an den Bildern von Pfennig auf. Es ist seine Liebe zum Dekor. Das kann aus Fischen oder Vögeln bestehen. Es ist kein Muster, was verzieren soll. Sondern es bewegt sich. Es ist in Bewegung. Und scheint die Figuren mitzureißen. Es steht still, wendet man die Augen. So ergeht es mir jedenfalls. Ich erkenne die Welt. Mir sind seine Bilder Abbild der Wirklichkeit geworden, im Sommer sehe ich seine großen Heuschrecken auf uns Menschen zufliegen und nicht am Boden zu Bruch gehen, sondern wir Vereinzelten werden ihren Laut der Liebe hören und danach handeln.

Matthias Dix | Oktober 2015

Wolf-Dieter Pfennig’s pictures are a wonderland. They take the viewer on a fantastic journey of self-discovery. Because - who are we anyway?
Pfennig’s images make me discover myself - in poses, in snapshots, in dreams and in nightmares. I find myself in the giant fish, in the two women juggling records (something I’ve never done) as well as in the blue woman with a golden horn of plenty. But most of all, I become the child, or is it a small man with a bowler hat who’s sitting in the far left corner, watching dreamed up figures as if they were actually awake.
For me the notion of “dream or nightmare“ is the most prominent actuality in Pfennig’s pictures. I never sense a surreality used as a deliberate working method. Pfennig sees facts: for him it’s a fact that a woman is paddled through a vast sea of male acquaintances, through the body of another nude woman. She may or may not be in a canoe, a reference to Pfennig’s affinity to the Indian culture.
Another thing that strikes me is his love for decor. It may consist of fish or birds, yet the pattern isn’t supposed to be decorative but relay motion. His decor moves and appears to sweep the figures along. Only if I’m about to turn my eye, do they stand still. At least this is what happens to me: I connect to the world. His pictures become a reflection of my reality and in summer I see his big locusts descending on us rather than the real ones being crushed on the ground, and only a few of us, we who saw the pictures, will hear their sound of love and act upon it.