Momente
Momente gesteigerter Wahrnehmung, ein plötzliches, nur Sekunden dauerndes, Aus-der-Zeit-Fallen, verbunden mit dem Erleben einer kurzeitigen physischen und psychischen Entgrenzung. Augenblicke einer existenziellen Selbsterfahrung die jeder kennt. Die plötzliche Wahrnehmung dessen, immer Innen und Außen gleichzeitig zu sein. Feste Grenzen scheinen auf einmal aufgehoben. Dann ein kurzes Erstaunen, Blinzeln und wir wenden uns, innerhalb scheinbar gesicherter Bahnen, wieder unseren Alltäglichkeiten zu.
Diese Momente einer produktiven Verunsicherung, die uns so unvorbereitet jederzeit widerfahren können, sind es, die mich in meiner Malerei beschäftigen. …
Für mich ist die Malerei die Sprache und das Material das Medium der Reflektion über das beschriebene Phänomen. Dabei hat meine Malerei Ereignischarakter. Sie findet in dem Moment statt in dem man sie betrachtet. Sie steht damit im Kontext der ungegenständlichen Malerei.

 

Mich interessiert das Unsichere, Vage, das noch Unbestimmte vor der Gestaltwerdung, dabei ist es mir wichtig unwillkürliche Figurbildungen zu vermeiden. Auch wenn immer alles an irgendetwas erinnert, versuche ich doch dem Urmechanismus des Sehens Strukturen zu erkennen, zumindest entgegen zu arbeiten.
Auf meinen Bildern gibt es keine Wolken, Seen, Landschaften o. Ä. zu sehen. Vielleicht aber können sie Erinnerungen an die Wahrnehmung bestimmter Situation im Leben des Betrachters auslösen und zwar nicht an was wir tatsächlich gesehen haben, sondern an das was wir empfunden haben als wir sie erlebt haben.

Paola Neumann (gekürzter Text)