Katrin Stender führt uns mit maßgeblicher Impulsivität und Subtilität die Vielfalt der Porträtmalerei vor Augen. Im Drang, sich zu ergießen, anwesend und lebendig zu sein, entstehen bei der in Hamburg lebenden Wort- und Bildjongleurin, die zunächst als freie Journalistin tätig war, unmittelbare Begegnungsbilder mit dem nunmehr Abwesenden.
Während in der Reihe Adoleszenz zarte Augenbrauen und verschattete Mundwinkel in pechschwarzen Kohlestrichen durch luftige Mischfarben ergänzt werden, erzeugt die wiederkehrende

Verwendung von Eitempera eine sattere Farbigkeit und Intensität der vibrierenden Flächen. Das Ungegenständliche, der Pinselstrich auf der Haut, wie etwa der Titel Peautrait erkennen lässt, verrät viel über die Kopfkinder (Brainchildren) der Künstlerin, die sich fern des klassischen Porträts bewegen und an die Ungezwungenheit des französisch Informel erinnern.

Romy Rexheuser | September 2015