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DIE SINNE DER ERDE

  
Ekkeland Götze
Erddrucke und Fotografien
  
… Seit nunmehr 30 Jahren nimmt Ekkeland Götze Proben und druckt sie in einem eigens entwickelten, Terragrafie genannten Verfahren auf Papier. Es geht ihm … nicht darum, die Welt abzubilden, auch wenn dies durch sein Verfahren hypothetisch möglich wäre, sondern viel mehr, uns die ungeheure Bedeutung bestimmter Orte und Gegenden für bestimmte Kulturen vor Augen zu führen. Die meisten seiner Projekte befassen sich mit Gegenden, die über eine hohe mythisch-religiöse Signifikanz verfügen: der Berg Sinai, Kailas, der heiligste Berg der Tibeter, Kreta als Wiege der minoischen Kultur, die songlines der Aborigines. Die Fundorte haben für die dort lebenden Menschen eine spirituelle, mythologische, historische oder kulturelle Bedeutung als Siedlungsstätten der verschiedensten Völker. … Die ausgestellten Bilder sind Teile von Projekten, die auch eine textuelle Begleitung haben, die genauso fundiert und kunstvoll gestaltet ist wie die Bilder selbst. … Götze sagt, dass er sich aufgrund des Druckverfahrens »nur als Medium« begreife. Der Künstler als Medium ist natürlich eine ganz alte Funktion bzw. Aufgabe (vielleicht die älteste überhaupt), die in vorschriftlichen Kulturen den Namen Schamane trägt. Auch der Schamane betrachtet sich nur als Medium, durch das die Götter und die mythischen Mächte sich vergegenwärtigen. In gewisser Weise ist auch Götze ein moderner Schamane, der die mythischen Mächte der Erde erfahrbar macht.

Christopher Balme
Auszüge aus dem Vorwort zum Katalog der Ausstellung
»Das Bild der Erde« an der Uni München.